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16. Mai 2011 / Philippe Wampfler

Max Frischs Fragebogen.

Im zweiten Tagebuch (1966-1971) formuliert Max Frisch Fragen in 12 thematisch strukturierten Fragebogen:

  1. Erhaltung des Menschengeschlechts
  2. Ehe
  3. Frauen
  4. Hoffnung
  5. Humor
  6. Geld
  7. Freundschaft
  8. Vatersein
  9. Heimat
  10. Eigentum
  11. Tod

Die Fragen sind teilweise sehr berühmt und scheinen einen aufzufordern, darauf zu reagieren. Dabei merkt man jedoch schnell, wie unklar die Fragen teilweise sind und wie viele Voraussetzungen mitschwingen. Wenn man schon nur die Themen betrachtet, wird klar, an die Fragen gerichtet sind: An Max Frisch selbst. An einen älteren Mann, der sich über die Vergangenheit, über die Ehe, über andere Beziehungen, über die Schweiz, sein Verhältnis zum Geld und zum Tod Gedanken macht – und der auch weiß, wie die Fragen gemeint sind.

Das mindert aber den Wert der Fragen nicht. Gerade die Auseinandersetzung mit ihnen zeigt vielleicht auf, welche Fragen unsere Fragen sein könnten. Fragen, die alle beantworten können, sind wohl selten die interessanten Fragen.

Da Frisch gerade die Feuilleton des Jahres 2011 besetzt, kann man auch nachlesen, wie spannende Männer seine Fragen beantworten. Die FAZ hat Jonathan Franzen und Alexander Kluge mit dem Fragebogen I (»Erhaltung des Menschengeschlechts«) konfrontiert:

16. Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?
Jonathan Franzen: Teil der Selbstkritik ist, seiner Selbstkritik nicht immer zu trauen.
Alexander Kluge: Ich beobachte mich nicht, wenn ich kritisch bin. Kritisch ist man spontan.
17. Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: Wofür bitten Sie eher um Verzeihung?
Jonathan Franzen: Ich habe das Gefühl, dass mir andere übel nehmen, was sie für meine Arroganz halten, während ich mir selbst meine Faulheit am meisten übel nehme. Wahrscheinlich ist es unvermeidlich, dass man sich die selbsteingestandenen Fehler zuallerletzt verzeiht.
Alexander Kluge: Dass ich keine Zeit habe. Das ist auch das, was ich anderen übel nehme.

(Alle Dokumente stammen aus den folgenden Quellen: 1, 7, 10 – 4911)

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