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18. September 2012 / Philippe Wampfler

Judith Butlers Dankesrede. Adorno.

In ihrer Dankesrede zur Verleihung des Adorno-Preises nimmt die Philosophin und Genderforscherin Judith Butler ein Zitat Adornos auf, dem sie in zwei Fragen nachgeht. Das Zitat steht in Minima Moralia (pdf) am Ende eine längeren Aphorismus mit dem Titel »Asyl für Obdachlose«, in dem die Schwierigkeit eines Privatlebens sowie die Problematik von Privateigentum diskutiert wird, am Schluss steht der berühmte Satz:

Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Butler leitet daraus zwei Fragen ab, über die sie spricht:

  1. Wie können wir unser eigenes Leben so führen, so dass wir sagen können, wir führen ein gutes Leben in einer Welt, die vielen ein gutes Leben strukturell oder systematisch unmöglich macht?
  2.  Wie bestimmt und durchdringt der historische Moment, in dem wir leben, diese Frage selbst?

Sie widmet beiden Fragen ausführliche Gedankengänge, die lesens- und bedenkenswert sind. Hier nur Auszüge aus ihren Antworten:

Das heißt, wenn wir über gesellschaftliche Leben sprechen, sprechen wir davon, wie das Soziale das Individuum durchdringt oder sogar die gesellschaftliche Form der Individualität hervorbringt. Zugleich bezieht sich das Individuum auf sich selbst immer schon über Medien und auch die Sprache, mit der es sich anerkennt, stammt schon von anderswo her. Das Soziale bedingt und vermittelt diese Anerkennung meiner selbst durch mich selbst. Wie wir von Hegel wissen, anerkennt das „Ich“, das sich selbst, sein eigenes Leben anerkennt, sich immer auch als Leben eines anderen. […]

Soll ich ein gutes Leben führen, dann wird es ein Leben gemeinsam mit anderen sein, ein Leben, das ohne diese anderen gar kein Leben wäre.
Ich verliere dabei nicht dieses Ich, das ich bin; wer immer ich bin, verwandelt sich im Bezug zu den anderen, da ich, um zu leben und gut zu leben, notwendig von anderen abhängig und auf andere angewiesen bin. Unsere gemeinsame Gefährdung durch Prekarität ist nur ein Grund unserer potenziellen Gleichheit und unserer wechselseitigen Verpflichtung zur gemeinsamen Schaffung der Bedingungen für ein lebbares Leben. Indem wir uns eingestehen, dass wir einander brauchen, bekennen wir uns zugleich zu grundlegenden Prinzipien der sozialen und demokratischen Bedingungen dessen, was wir als „das gute Leben“ bezeichnen könnten.

Das sind entscheidende Bedingungen demokratischen Lebens, entscheidend in dem Sinn, dass sie Bestandteil einer andauernden Krise, aber auch Bestandteil eines Denkens und Handelns sind, das sich den Bedrängnissen unserer Zeit stellt.

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