Skip to content
24. Juni 2012 / Philippe Wampfler

Roman in Fragen – Padget Powell

In welchem Alter, würden Sie sagen, war Ihr Charakter geprägt – das heißt, wann, glauben Sie, waren Sie Sie?

Ist es bei dem, was man nicht wissen kann, besser, eine klug agnostische Haltung einzunehmen, oder soll man lieber blind frisch drauflosmeinen und diese Meinung in Ehren halten?

Das zwei Beispiele aus Padget Powells Buch »Ein Roman in Fragen«, im englischen Original: »The Interrogative Mood. A Novel?« Also ein etwas unglücklicher Titel im Deutschen. Der Autor wollte nämlich nicht unbedingt einen Roman schreiben, sondern einen Versuch, schreiben, ohne zu erzählen, wie die SZ schreibt.

Der Roman beginnt mit einer Frage:

Sind Ihre Gefühle rein? Sind Ihre Nerven anpassungsfähig? Wie stehen Sie zur Kartoffel?

Er hört ebenso mit Fragen auf:

Gehen Sie jetzt weg? Würden Sie jetzt weggehen? Würde es Ihnen was ausmachen?

Das Deutschlandradio schreibt über das Leseerlebnis:

Um ehrlich zu sein: Am Anfang geht der Autor einem damit gehörig auf den Senkel. Man fragt sich unwillkürlich: Was soll das? Fragebögen muss ich so schon oft genug ausfüllen, warum dann einen Roman lesen, der ausschließlich aus Fragen besteht, aus Geschmacksfragen, Wissens- und Gewissensfragen im Wesentlichen?
Das Wundersame aber ist: Je länger man liest, desto mehr nimmt einen Powells Projekt gefangen, weil es einen dazu bringt, seinen Unwillen, sich mit all diesen Fragen auseinanderzusetzen, zu – na was wohl ? – hinterfragen. Als Kind neigt man dazu, Fragen zu stellen und die Eltern damit zu penetrieren. Im Laufe der Jahre aber geht uns diese Fähigkeit oft verloren, wir trainieren sie uns ab. Ein Erwachsener baut sein Leben viel eher auf Behauptungen auf und lernt, ja nicht zu viel in der Welt infrage zu stellen.
Er glaubt auf alles eine Antwort zu haben. Just das ist fragwürdig, findet Powell und konfrontiert uns mit Fragen über Fragen, die mal albern, mal gut sind und nie dumm.

Und die Süddeutsche Zeitung:

Lesen wird dabei zu einem Akt, das Leben neu durchzubuchstabieren und über Dinge nachzudenken, über die nachzudenken man längst aufgehört hat. Das lässt sich nicht über allzu viele Bücher sagen.

(Mit Dank an Mariana für den Hinweis auf den Roman.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: