Skip to content
16. Juni 2011 / Philippe Wampfler

Fragen als Trugschluss. Fangfragen.

In der angelsächsischen Philosophietradition gibt es ganze Listen mit »fallacies« –  hier z.B. die von Wikipedia – also logischen Fehlschlüssen.

Zwei dieser Fehlschlüsse involvieren Fragen, diese sollen im Folgenden kurz dargestellt werden:

(1) Fangfragen (engl. »loaded question«). 

Fangfragen sind eine Unterform rhetorischer Fragen, d.h. sie verlangen nicht direkt nach einer Antwort bzw. machen eine Aussage, die als Frage »getarnt« ist. Das klassische Beispiel lautet:

Schlagen Sie Ihre Frau immer noch?

Die Frage ist eine Ja/Nein-Frage. Egal ob  ja oder nein –  die Antwort scheint die Aussage zu bestätigen, man der Antwortende habe sein Frau geschlagen.

Diese Analyse zeigt, dass sich hinter einer Fangfrage zwei Fragen verbergen:

  1. Haben Sie Ihre Frau je geschlagen?
  2. Wenn ja, tun Sie das immer noch?

Die Fangfrage gibt nun vor, die erste Frage sei schon mit ja beantwortet und stellt dann nur noch die zweite Frage.

So zeigt sich auch, wie man auf Fangfragen reagieren sollte. Nehmen wir wieder ein reales Beispiel. In Neuseeland wurde 2010 über ein Referendum abgestimmt, bei dem es um die Aufhebung des Verbots von körperlicher Gewalt in der Erziehung ging. Die Frage lautete:

Should a smack, as part of good parental correction, be a criminal offence in New Zealand?
Sollte Schlagen als Mittel eines sinnvollen pädagogischen Handelns in Neuseeland eine Straftat sein? (Übersetzung PhW)

Die Frage kann nur beantwortet werden, indem man sie aufteilt (was bei einer Abstimmung leider nicht geht). In einem Interview müsste man also sagen:

Ich teile die Frage auf: Sind Schläge erstens ein sinnvolles pädagogisches Mittel? Und sollten Schläge – davon unabhängig – als Straftat betrachtet werden?

Mit anderen Worten: Eine Fangfrage schließt einer direkte Antwort aus. Die Frage selbst enthält dabei keinen Trugschluss, der Trugschluss ergibt sich erst mit der Antwort zusammen.

(2) Komplexe Fragen. 

Eigentlich ist der Fehlschluss der komplexen Frage eine allgemeinere Analyse der Fangfrage. Dabei geht es generell darum, dass eine Präsupposition (eine Annahme) verbunden wird mit einer oder mehreren Fragen – auf die dann genau eine Antwort gegeben werden kann. Dadurch soll gerade diese Annahme als wahr erwiesen werden.

Die Annahme ist bei komplexen Fragen selbst auch komplex, also z.B. eine konditionale Aussage (wenn – dann). So wurde Bill Clinton beispielsweise einmal gefragt:

Do you favor the United States Army abolishing the affirmative-action program that produced Colin Powell? Yes or no?
Sind Sie damit einverstanden, dass die US Army das Gleichstellungsprogramm beendet, welches Colin Powell hervorgebracht hat, beendet? (Quelle: pdf)

Die Annahme dahinter ist komplex: Dass das Gleichstellungsprogramm Colin Powell zum Erfolg verholfen habe, lässt sich nur sagen, wenn man annimmt, dass er ohne dieses Programm keinen Erfolg gehabt hätte. Nun kann man sagen, dass die Vermischung von einer Aussage, mit der Clinton nicht einverstanden ist, mit einer Frage, eine Fangfrage darstellt, die komplexe Natur der Aussage sie zudem zu einer komplexen Frage macht – man müsste genauer eigentlich von komplexen Fangfragen oder nur von einfachen Fangfragen sprechen.

Komplexe Fragen – wie Fangfragen auch – hängen vom Kontext ab: Die Frage, ob man seine Frau immer noch schlage, ist dann keine Fangfrage, wenn in einem Gerichtsprozess bewiesen wurde, dass ein Angeklagter seine Frau geschlagen hat – und nur noch die zweite Frage, ob er es noch immer tue, zu klären ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: