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17. Januar 2011 / Philippe Wampfler

Interviewfragen. Und Titel. Senta Berger. Die Frage nach dem Ende.

Wieder einmal verweise ich auf ein Interview in der FAZ, das an sich nicht besonders spektakulär ist: Senta Berger wird zu ihrer neuesten Filmrolle befragt, sie spielt in Satte Farben vor schwarz von Sophie Heldmann an der Seite von Bruno Ganz.

Der Titel des Interviews lautet:

Wem würden Sie in den Tod folgen, Frau Berger?

Das ist eine an sich spannende Frage, welche wohl die meisten Menschen überfordern würde – wurde aber im Interview gar nicht gestellt. Sie verdeutlicht die redaktionelle Tendenz, Aussagen bzw. Fragen aus Interviews im Titel oder im Anriss auf eine Weise umzuformulieren, welche dem tatsächlichen Gesprächsverlauf nicht mehr gerecht wird. Im Interview geht es nämlich um den Plot des Films, in dem die von Berger gespielte Figur der von Ganz gespielten Figur in den Tod folgt (für Spoileralerts ist es wohl nun zu spät):

Was hat Sie dazu bewogen, bei diesem Regiedebüt von Sophie Heldman mitzuwirken?
Das wunderbare Drehbuch: Es war wie ein Musikstück, das man sofort spielen konnte. In meinem Alter stellt man sich durchaus die Frage, was man tut, wenn der Lebenspartner eines Tages nicht mehr da ist. Mir hat es imponiert, dass das Paar im Film das VersprechenWo du hingehst, will ich auch hingehen bis zur letzten Konsequenz einlöst. Wir alle tendieren ja dazu, die Frage nach unserem Ende zu verdrängen – dabei ist das ein so wichtiges Thema! Und ich konnte mich gut in meine Filmfigur hineinversetzen.
Können Sie sich auch vorstellen, Ihrem Mann in den Tod zu folgen?
Ja. Wenn ich mir das nicht vorstellen könnte, dann hätte ich die Rolle nicht spielen wollen. Aber ich weiß nicht, ob ich selbst im Fall des Falles den Mut zu diesem Schritt hätte. Allerdings sehe ich in meinem Bekanntenkreis mit zunehmendem Alter mehr und mehr zurückgebliebene Hälften: Ich erlebe, wie bitter es sein muss, wenn der Partner stirbt. Ich fürchte, das ist ein Schnitt, der nicht mehr heilen kann.

»Die Frage nach unserem Ende« wurde für diesen Blog schon mehrmals angeregt – oft wird sie formuliert als die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Die Frage halte ich für nicht interessant, weil sie jede Antwort zulässt und jede Antwort darauf gleich gut ist. (Obwohl ich es für die überzeugendste Antwort halte, zuzugeben dass wir darüber nichts wissen.) Berger meint hier wohl eher die Frage, wie wir uns unser Ende vorstellen oder wünschen. Oder warum es uns so beschäftigt, dass und wie wir enden.

Das wäre der Trailer zum Film:

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