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5. Januar 2011 / Philippe Wampfler

Wie man über eine Frage nachdenkt.

Auf Formspring wurden mir zwei Fragen gestellt, die ich hier gerne etwas grundsätzlich diskutieren möchte:

Wie beginnt man über die Frage „Auf welche Frage hast du keine Antwort?“ nachzudenken? Wie tut man das?

Eigentlich auch: „Was ist deine früheste Erinnerung?“ eruiert man das irgendwie kognitiv, in der Art von „Wort liegt mir auf der Zunge… Mit L beginnend…“ oder bedenkt man das, schliesst darauf? Oder so wie reimen?

Diese Fragen sind äußerst spannend – und gleichermassen schwierig (siehe beziehen sich auf Fragen meines neuen Twitter-Accounts oder aber auf Fragen, die in älteren Blogposts Erwähnung fanden). Gerade die Vorschläge bei der zweiten Antwort zeigen die Richtungen auf, in die eine Antwort gehen könnte. Ich kann mir nicht vorstellen, die Fragen vollständig oder befriedigend beantworten könne, aber ich skizziere einmal Ansätze.

  1. Antworten abrufen.
    Bei der frühesten Erinnerung oder bei der Frage, auf die ich keine Antwort kenne, habe ich Antwortkandidaten, die ich schon länger mit mir herumtrage. Ich habe einige frühe Erinnerungen und überlege mir ab und zu, welche davon die früheste sein könnte, und ob die Erinnerungen echt sind. Ebenso wälze ich viele Fragen und könnte wohl schnell einige Fragen (ad hoc z.B. eine Reihe physikalischer Fragen) nennen, auf die ich keine Antwort kenne.
    Diese Möglichkeit ist aber nicht ein Prozess des Nachdenkens, sondern schon fast der Modus, mit der man eine Prüfungsfrage beantwortet, deren Antwort man memorisiert hat. Das Antworten ist ein Abrufen.
  2. »so wie reimen« – Assoziationen bilden.
    Der Vorschlag der Fragenden oder des Fragenden, man könnte über die Fragen nachdenken »wie reimen«, gefällt mir außerordentlich. Wie reimen wir? Wir sagen laut ein Wort und durch das Abrufen seines Klangs erklingt schon fast der Reim. So würde ich also mir eine Erinnerung ins Gedächtnis rufen (sagen wir z.B. an ein Weihnachtsgeschenk, das ich als Kind erhalten habe) und dadurch entstünden weitere Erinnerungen, welche wiederum in assoziativem Verhältnis zu noch mehr Erinnerungen stünden – und so käme ich zu ganz frühen Erinnerungen.
  3. Systematische Vorgehensweisen.
    Fragelisten könnten ein Ansatz sein, um Fragen zu finden, auf die ich keine Antwort weiß. Ich weiß beispielsweise auf keine Frage aus Max Frischs Fragebogen eine Antwort  (und zögere deshalb noch etwas, diese Fragebogen in dieses Blog aufzunehmen): 

    Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als gesundes Tier? Und als welches

    Ein System zur Beantwortung der Erinnerungsfrage ist eine creative writing-Technik. Sie besteht darin, sich eine Karte von dem frühesten Wohnort zu zeichnen, zu dem man eine Karte zu zeichnen imstande ist. Auf dieser Karte trägt man nun Erinnerungsorte ein – und könnte dann so eine Geschichte erzählen oder aber seine Erinnerungen wieder finden.

  4. Logisches Schließen.
    Unter »kognitiv eruieren« verstehe ich so etwas wie ein Schlussverfahren. Nun scheinen sowohl das Nicht-Wissen wie auch Erinnerungen Bereiche zu sein, die wir mit der Logik schlecht ergründen können. Natürlich kann ich mir überlegen, dass ich in gewissen Bereichen gut Bescheid weiß und in anderen weniger – z.B. Chemie: 

    Woher weiß man, dass das Periodensystem vollständig ist?

  5. Nun ist das zwar eine Frage, auf die ich keine Antwort kenne – der befreundete Chemiker aber sehr wohl und ich denke, ich werde sie mir dann merken können. Spannender wären dann beispielsweise Fragen, deren Antwort ich nicht kennen kann oder nicht kennen will:

    Warum wollten meine Eltern Kinder (oder mich) haben?

    Auch diese Frage ergibt sich m.E. auch logischen Überlegungen und geht wohl schon mehr in die Richtung, in der wir suchen wollen.

Wir besprechen hier Fragen, die nicht genaue Angaben machen, wie man ihre Antworten finden könnte, gleichzeitig aber suggerieren, dass es eine Antwort gibt – und gerade diese Fragen wären ja dann die diffizilen. Es liegt – so scheint es – in der Natur der Sache, dass die Frage jede der Vorgehensweisen 1. – 4. zurückzuweisen scheinen. Und doch läge vielleicht in der Kombination dieser Verfahren eine Möglichkeit, Antworten zu finden.

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