Skip to content
15. November 2010 / Philippe Wampfler

Eine konkrete Frage. Politische Passivität.

Heute wurden mir folgende Fragen gestellt:

Darf mich Politik nicht interessieren? Ist es eine Menschenpflicht, sich vermehrt politisch einzusetzen? Darf man politische Passivität damit legitimieren, dass einen Politik nun mal nicht interessiert und dass man besser andere Dinge tut (die der Gesellschaft von grösserem Nutzen sind)?

Ausnahmsweise beantworte ich eine Frage selbst – nicht, weil ich das Gefühl habe, diese Frage besonders gut beantworten zu können, sondern weil die Frage mir gestellt worden ist.

»Interesse« und »Engagement« würde ich nicht als Pflichten bezeichnen. Wir verstehen »Interesse« so, dass ein je-ne-sais-quoi in mir ein Interesse an einem Gegenstand auslöst. Und »Engagement« beruht auf einem bewussten Entscheid.

Beides sind aber Rechte in einer aufgeklärten Demokratie. Die Frage, inwiefern man die Ausübung eines Rechtes verweigern kann, möchte ich hier nicht beantworten (in der Extremform ist es die Frage nach der Legitimität des Selbstmordes: Muss ich leben, weil ich ein Recht auf Leben habe?). Aber der Verzicht auf die Ausübung eines Rechts scheint mir in diesem Falle verbunden zu sein mit dem Bewusstsein der Konsequenzen.

Die Konsequenzen wären, dass ich ein politischer Spielball derjenigen Kräfte bin, die sich interessieren und engagieren. Ich kann bei keiner Entwicklung sagen, ich hätte sie nicht gewollt oder ich hätte mich gegen sie gewehrt – weil ich diese Möglichkeit bewusst ausgeschlagen habe. Und die Begründung, ich hätte diese Möglichkeit nur ausgeschlagen, weil ich Dinge getan hätte, »die der Gesellschaft von größerem Nutzen sind«, scheint mir fadenscheinig: Wer ermittelt denn den Nutzen von dem, was ich tue? Und woher weiß man, ob nicht politisches Interesse und oder Engagement in der Zukunft mehr Nutzen gebracht hätte?

Und als letzter Aspekt möchte ich zu bedenken geben, dass der Begriff »Politik« häufig so verwendet wird, als fände Politik nur in der öffentlichen Wahrnehmung und im Kampf um Ämter und Abstimmungen statt. Politik meint aber, wie Menschen geordnet miteinander zusammenleben. Und sich den Ordnungen des Zusammenlebens zu verweigern ist unmöglich – sofern ich denn Beziehungen zu anderen Menschen unterhalte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: