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15. September 2010 / Philippe Wampfler

Der 27. September. Keinen Stein ins Rollen bringen. Thomas Brasch.

Das unten stehende Gedicht von Thomas Brasch gibt viele Antworten – lässt die Frage aber weg. Man kann sie sich selber denken. Der 27. September wurde von der Moskauer Zeitung „Iswestija“ in Anlehnung an Maxim Gorkis Vorschlag 1960 dazu bestimmt, um von SchriftstellerInnen beschrieben, protokolliert, dargestellt zu werden – als ganz gewöhnlicher Tag, als »Jedertag«. (Christa Wolf hat das in ihrem Roman Ein Tag im Jahr »mehr als die Hälfte ihres erwachsenen Lebens« lang getan: »Ich setzte mich also hin und beschrieb meinen 27. September 1960.«)

Bald ist er wieder, der 27. September – und wir können auf Thomas Braschs Frage selbst antworten.

Der schöne 27. September

Ich habe keine Zeitung gelesen.
Ich habe keiner Frau nachgesehn.
Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet.
Ich habe keinem einen Guten Tag gewünscht.
Ich habe nicht in den Spiegel gesehn.
Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen
und mit keinem über neue Zeiten.
Ich habe nicht über mich nachgedacht.
Ich habe keine Zeile geschrieben.
Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht.

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