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25. August 2010 / Philippe Wampfler

Es gibt keine Schuld.

Die Frage nach der Schuld, von Tucholsky nicht ganz allgemein gestellt in seinem – wie soll man sagen – tiefsinnigen? pathetischen? Gedicht »Aus!«, ist ein schönes Beispiel für eine Frage, die bewegt, ohne je eine treffende Antwort finden zu können.

Aus!

Einmal müssen wir zwei auseinandergehn;
einmal will einer den andern nicht mehr verstehn –
einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein –
wer ist daran schuld?

Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.
Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.
Jedes trägt den andern mit sich herum –
etwas bleibt immer zurück.

Einmal hat es euch zusammengespült,
ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen,
und dann erkühlt  –
Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab -:
ein neuer Mensch.

Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu.
Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du.

Jeder sucht seine Zukunft. Und geht nun mit stockendem Fuß,
vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß
in ein fernes Land.

Kurt Tucholsky, 1930. (Gesammelte Werke, Rowolth 1980)

Im gewagten Unterfangen Ralf Schmerbergs, solche Gedichte zu verfilmen (Poem, 2003) sieht die Umsetzung dieses Gedichts dann so aus:

Die Hauptrolle spielen die blinden, eineiigen Zwillinge John und Larry Gassmann, die offenbar 47 Jahre gemeinsam gelebt haben, bis Larry Melinda Johnson geheiratet hat, die sie beide gemeinsam kennen gelernt haben.

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