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4. Mai 2011 / Philippe Wampfler

Über Fragen im Titel oder in der Headline. Betteridges Law.

Auf Twitter fand heute eine Diskussion über ein spannendes neues Konzept statt, das man als »Business Class für Newsportale« überschreiben könnte. Es wurde von Oliver Reichenstein im iA-Blog präsentiert, in einem Post mit dem Titel:

Business Class: Freemium for News?

Der Titel war Anlass zu einer Kritik durch den freischaffenden Journalisten David Bauer, die entsprechende Konversation sah dann wie folgt aus:

Bauer bezieht sich dabei auf ein Gesetz, das alle Schweizer Journalisten lernen: Fragen in Titeln oder Schlagzeilen sind zu vermeiden. Das Gesetz geht auf Ian Betteridge zurück. Die Gründe, weshalb Fragen in Titeln zu vermeiden sind, sollen kurz aufgelistet werden:

  • Fragen sind ein Mittel, um eine unsichere Quellenlage oder unsaubere Recherchen zu verdecken. Wer journalistisch seriös arbeitet, kann eine Aussage als Titel anbieten und muss nicht auf eine Frage zurückgreifen. (Deshalb sagt Betterdige auch, man könne die Fragen, die in einem Titel gestellt werden, sofort mit »nein« beantworten: Denn die Frage sei ausreichendes Indiz dafür, dass die zugrundeliegende Behauptung falsch ist.)
  • Wenn ein Artikel eine Frage aufwirft, soll diese Frage nicht im Titel stehen, sondern im Artikel entwickelt werden und ihn – aus Spannungsgründen – abschließen. Anders gesagt: Fragen im Titel schaffen keinen Anreiz, den Artikel auch zu lesen.
  • Aus ästhetischen Gründen ist Interpunktion in Schlagzeilen zu vermeiden (es werden im professionellen Journalismus auch keine Ausrufezeichen gesetzt, allenfalls Doppelpunkte).

Oliver Reichenstein (@iA) verteidigt seine Titelsetzung nun mit allgemeinen rhetorischen Gesetzen – welche durch eine journalistische Konvention oder Faustregel nicht außer Kraft gesetzt werden können. Es handelt sich um eine Frage, ob das von Reichenstein vorgeschlagene Modell umsetzbar/denkbar ist, und deswegen ist es nicht mehr als ehrlich, diese Frage auch im Titel aufzugreifen. Der Leser weiß von Anfang an, dass der Artikel eine Frage aufwirft bzw. einen Vorschlag macht (den man als Frage formuliert) – und wird deshalb vom Titel auch optimal auf den Artikel vorbereitet.

Es handelt sich gewissermassen um eine Ausnahme von Betteridges Gesetz – eine Ausnahme, die der Erfinder des Gesetzes auch selber vorgesehen hat. Mittlerweile gibt es eine ganze Seite, welche Ausnahmen zu diesem Gesetz dokumentiert:

Mein Fazit wäre: Das Gesetz sollte in den meisten Fällen Anwendung finden. Volontärinnen und Volontäre sollten wohl keine Fragen in einen Titel setzen. Das damit verbundene Risiko dürfen aber erfahrene JournlistInnen durchaus eingehen.

Hier gibt es einen Artikel zur Wirkung von Fragen im Titel.

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