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18. September 2010 / Philippe Wampfler

Fragen der Philosophie. Und Antworten. Kant. Gernhardt. Quines Fragezeichen.

Kant schlägt bekanntlich vor, die Philosophie durch vier Fragen zu definieren:

Das Feld der Philosophie in dieser weltbügerlichen Bedeutung läßt sich auf folgende Fragen bringen:

  1. Was kann ich wissen?
  2. Was soll ich tun?
  3. Was darf ich hoffen?
  4. Was ist der Mensch?

Die erste Frage beantwortet die Metaphysik, die zweite die Moral, die dritte die Religion, und die vierte die Anthroplolgie. Im Grunde könnte man aber alles dieses zur Anthropologie rechnen, weil sich die drei ersten Fragen auf die letzte beziehen.

Der Philosoph muss also bestimmen können:

  1. Die Quelle des menschlichen Wissens.
  2. den Umfang des möglichen und des nützlichen Gebrauchs allen Wissens, und endlich
  3. die Grenzen der Vernunft.

[Logik]

Kant sagt, die Disziplinen der Philosophie würden diese Fragen beantworten – besser wäre wohl zu sagen, die Philosophie formuliert diese Fragen um, macht sie verständlicher, zeigt, wie Antworten aussehen könnten, welchen Kriterien Antworten zu genügen hätten etc. So kann man wohl guten Gewissens sagen, dass die vier Fragen seit Kant nicht weniger aktuell geworden sind – auch wenn vielleicht nicht mehr die Philosophie für sie zuständig ist.

Ans Thema Philosophie und Fragen sollen noch drei lockerere Beiträge anschließen, zunächst ein Gedicht:

Kant

Eines Tages geschah es Kant,
daß er keine Worte fand.

Stundenlang hielt der den Mund,
und er schwieg nicht ohne Grund.

Ihm fiel absolut nichts ein,
drum ließ er das Sprechen sein.

Erst als man zum Essen rief,
wurd’ er wieder kreativ,

und er sprach die schönen Worte:
»Gibt es hinterher noch Torte?«

[Robert Gernhardt. Gedichte 1954–1994. Frankfurt am Main 1998.]

Kenny Rogers gibt eine Antwort auf Kants 3. Frage: »[…] the best you can hope for is to die in your sleep.«

Und zuletzt noch eine Anekdote über Willard Van Orman Quine, der dieser Geschichte zufolge einige Tasten an seiner Schreibmaschine auswechseln musste, um logische Symbole tippen zu können. Als er seiner Frau gegenüber erwähnte, dass auch das Fragezeichen dazu gehöre, fragte sie ihn, ob es ihm denn nicht fehle. Seine Antwort: »Well, you see, I deal in  certainties.«

Viel besser kann man wohl nicht ausdrücken, was die angelsächsisch-analytische von der kontinentaleuropäischen Philosophie unterscheidet.

  1. Sabatieu / Feb 5 2011 12:16 vormittags

    Der Astrophysiker kann dem geehrten Publikum jeden seiner Schritte erklären, durch die er zu neuen Erkenntnissen kam. Sein Publikum, keine Physiker sondern Leute wie Du und ich werden ihm wohl nicht folgen können. Also wollen Sie ihm auch nicht glauben. Außer er kann das, was er bewiesen hat, durch ein Ereignis der Realität bestätigen lassen. Zum Beispiel ein kosmisches Ereignis dass genau so eintritt, wie er es bewiesen hat.
    Wie viel schwieriger hat es da der Erkenntnistheoretiker! Bis das, was er über die Menschheit herausfindet auch in der Realität eintritt, vergehen möglicherweise Jahrtausende. Ihm kann man also nur dann recht geben, wenn man seine Gedankengänge nachvollzieht.
    Das aber ist nicht weniger schwierig als die Gedankengänge des Astrophysikers nachzuziehen.

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