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Januar 15, 2012 / Philippe Wampfler

Schlaue Fragen zum Kennenlernen. Beim ersten Date. Von OKCupid.

OKCupid ist eine Datingseite. Zwei Dinge machen sie für diesen Blog interessant: Erstens nutzt sie Fragen, mit denen man sich selber charakterisieren kann. Und zwar darf man selbst wählen, ob man eine Frage beantworten will – zur Auswahl stehen über 200. Man kann auch angeben, welche Antworten man erwartet.

Zweitens wertet OKCupid die Ergebnisse und Statistiken, die durch die User-Aktivitäten entstehen, durch ein Mathematik-Team aus. Es entstehen so immer wieder großartige Blogposts mit Auswertungen.

Auf einen dieser Posts möchte ich mich beziehen. OKCupid hat sich gefragt, welches die besten Fragen sind, die man jemandem stellen soll, den man kennen lernen möchte. Hier die Ergebnisse, ein Kommentar folgt unten:

  1. Man will wissen, ob man zur anderen Person passt, ob eine langfristige Beziehung funktionieren könnte.
    Man fragt:

    • Magst du Horrorfilme?
    • Hast du jemals alleine ein anderes Land bereist?
    • Wär’s nicht spannend, alles einzupacken und auf einem Segelboot zu leben?

    Antwortet die andere Person so, wie man auch antworten möchte: Super. Sonst: Nicht so gut, aber auch nicht sehr schlimm. Paare sind sich in 35% der Fälle bei allen drei Fragen einig.

  2. Man will wissen, ob die andere Person ähnliche politische Vorstellungen hat, ohne aber beim ersten Date über Politik zu reden.
    Man fragt:

    • Hast du lieber einfache oder komplexe Menschen in deinem Leben?

    Wer einfache Menschen mag, ist in zwei Dritteln der Fälle konservativ, wer komplexe mag, in zwei Dritteln der Fälle politisch progressiv eingestellt.

  3. Man will wissen, ob die andere Person religiös ist.
    Man fragt:

    • Stören dich Rechtschreibfehler bei anderen Personen?

    Wen Orthographiefehler stören, ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht religiös – und umgekehrt.

  4. Man will wissen, ob die andere Person bereit ist, mit einem beim ersten Date ins Bett zu gehen.
    Man fragt:

    • Magst du Bier? [das ist die empfohlene Frage]
    • Fändest du nicht auch, dass ein Atomkrieg aufregend wäre?
    • Kannst du dir vorstellen, jemand anderes umzubringen?

    Wiederum: Wer zu einer dieser drei Fragen ja sagt, der oder die mag auch Sex beim ersten Date.

Man sieht: Statistik hilft einem, unverfängliche Fragen zu stellen, wo ein direktes Vorgehen problematisch sein könnte. Man darf nicht vergessen, dass die meisten User von OKCupid in den USA leben und andere Vorstellungen von Atomkrieg, Religion und Politik haben könnten als Europäerinnen und Europäer.

Bildquelle: OKCupid, Blog

Januar 13, 2012 / Philippe Wampfler

Fragen in Flowcharts.

Im Moment scheinen Flowcharts als Meme im Internet wieder an Beliebtheit zuzulegen. Flowcharts werden – in Abwandlung ihrer originalen Verwendung als schematische Programmmuster – häufig gebraucht, um Ja/Nein-Fragen und Entscheidungen zu visualisieren. Diese Technik wird nun, mit einem humorvollen Twist, auf Entscheidungen angewandt, die nie in einer systematischen Art und Weise getroffen werden.

1. Welcher Religion soll ich angehören? [Quelle: Holy Taco]

Bildquelle und Idee: http://www.holytaco.com/

2. Welches Musikinstrument soll ich erlernen? [Quelle: Piesone Art]

Quelle und Idee: Piesone Art

3. Welche Aufgabe im Filmbusiness ist für mich geeignet? 

Quelle: Filmsourcing.com

Januar 12, 2012 / Philippe Wampfler

Unzählige Fragen. Immer wieder die gleiche Frage. Lola rennt.

Der prägendste deutsche Film der 90er-Jahre, Lola rennt von Tom Tykwer, beginnt mit einer Reihe von Fragen (hier findet sich eine Transkription von Lola rennt):

Der Mensch.
Die wohl geheimnisvollste Spezies unseres Planeten.
Ein Mysterium offener Fragen.

Wer sind wir?
Woher kommen wir?
Wohin gehen wir?
Woher wissen wir, was wir zu wissen glauben?
Woher wissen wir überhaupt etwas?
Unzählige Fragen, die nach einer Antwort suchen.
Eine Antwort, die wieder eine Menge neuer Fragen aufwerfen wird.
Und die nächste Antwort wieder die nächste Frage und so weiter… und so weiter…
Doch ist es am Ende nicht immer wieder die gleiche Frage?
Und immer wieder die gleiche Antwort?

Welches ist denn die Frage – und welches die Antwort? Wohl kaum, dass das Spiel 90 Minuten daure und der Ball rund sei.

Die Antwort findet sich später im Film. Tykwer behält das Thema der Fragen bei. Bekanntlich versucht Lola in drei verschiedenen Versionen derselben Geschichte, ihrem Freund Manni zu helfen, indem sie 100’000 Mark besorgt. In der ersten Version wird sie von einem Polizisten erschossen. Tykwer verwendet als extradiegetische Musik dabei das Stück »The unanswered Question«  von Charles Ives.

Das Werk von Ives wird häufig so interpretiert, dass die Trompete die Frage sieben Mal stellt, die Holzblasinstrumente die Suche nach einer Antwort repräsentieren und immer dissonanter werden, desto unmöglicher eine Antwort wird. Die Streichinstrumente sind davon nicht betroffen, sie beteiligen sich nicht an der Suche nach einer Antwort. Leonard Bernstein sagte in seinen Norton Lectures, das Werk stelle keine metaphysische, sondern eine musikalische Frage.

Tykwer nutzt aber nur die harmonischen Teile des Stückes – wahrscheinlich, weil Lola im Anschluss daran weitere Fragen an Manni stellt. Dabei schließt sie mit der Antwort: »Ich weiß es nicht.« Ich verstehe den Film so: Jede Frage ist dieselbe Frage. Sie verlangt nach Gewissheit, wo es keine gibt. Und jede Antwort ist nur Ausdruck von der Unfähigkeit, diese Gewissheit herzustellen, in die Zukunft zu blicken, Möglichkeiten abzuschätzen, zu wissen, wie es ist.

Januar 12, 2012 / Philippe Wampfler

Die tiefste politische Frage. Selbstbestimmung. Peter Bieri.

Peter Bieris neuestes Buch versammelt drei Essays, die der Autor als Vorlesungen gehalten hat. Er wählt als Titel für den ganzen Band, aber auch für jede Vorlesung eine Frage:

  1. Was wäre ein selbstbestimmtes Leben? [der erste Teil ist bei Die Presse online verfügbar]
  2. Warum ist Selbsterkenntnis wichtig?
  3. Wie entsteht kulturelle Identität?

In der der ersten Vorlesung über Selbstbestimmung geht Bieri mehrmals auf fragen als Technik ein.

Doch wie genau machen wir das: uns befragen, uns verstehen, uns verändern?

Es hat viel mit Sprache zu tun – mit dem Finden der richtigen Worte für das, was wir denken und erleben. Über sich selbst zu bestimmen, kann heißen, sich im eigenen Denken zu orientieren und seine Überzeugungen auf den Prüfstand zu stellen. Stimmt es eigentlich, was ich über dieses Land, diese Wirtschaftsentwicklung, diese Partei, diese Freundschaft und diese Ehe denke? Indem ich nach Belegen für oder gegen gewohnte Überzeugungen suche, eröffne ich einen inneren Prozess, in dessen Verlauf sich diese Überzeugungen ändern können. […]

Im Denken selbstständiger, mündiger zu werden, bedeutet auch, wacher zu werden gegenüber blinden sprachlichen Gewohnheiten, die uns nur vorgaukeln, dass wir etwas denken. – Diese Wachheit kommt in zwei Fragen zum Ausdruck: Was genau bedeutet das? Und: Woher eigentlich weiß ich das? Es gehört zu einem selbstbestimmten Leben, dass einem diese Fragen zur zweiten Natur werden,wenn von wichtigen Dingen die Rede ist wie etwa: Freiheit, Gerechtigkeit, Patriotismus, Würde, Gut und Böse. Über sich selbst zu bestimmen heißt: unnachgiebig und leidenschaftlich zu sein in der Suche nach Klarheit und gedanklicher Übersicht.

Selbstbestimmung bedeutet letztlich, Einschätzungen und Erkenntnisse, Lebensweisen und Haltungen nicht von außen oder aus seiner persönlichen Geschichte zu übernehmen, sondern sie auf ihre Bedeutung hin zu befragen und sich zu vergewissern, dass sie auch zu einem passen.

Bieri schließt mit einem Abschnitt zu Manipulation. Dort schreibt er:

Was also unterscheidet Einfluß, den wir als Manipulation empfinden, von Einfluß, der die Selbstbestimmung nicht bedroht, sondern fördert? Ich halte das für die tiefste und schwierigste politische Frage, die man aufwerfen kann. […]

Am tückischsten sind die undramatischen, unauffälligen Manipulationen durch akzeptierte oder sogar gepriesene Bilder, Metaphern und rhetorische Formeln. […] Fernsehen, Zeitungen und politische Reden sind voll davon, und es gibt jede Menge Mitläufer.

Dem kann man nur Wachheit entgegensetzen im Sinne der Frage: Ist das wirklich die richtige Art, die Dinge zu beschreiben? Trifft das die Art, wie ich denke und empfinde? Und je größer die päpstliche Selbstgewißheit ist, mit der uns die lautstarken Formeln entgegenkommen, desto hartnäckiger muss die Nachfrage sein.

Dezember 27, 2011 / Philippe Wampfler

Zwei Youtube-Fragen.

Auf Facebook findet man manchmal lustige Youtube-Filme. (Oder: Auf Facebook geht man, um lustige Youtube-Filme anzusehen, damit man nicht das tun muss, was man tun sollte.)

Also:

Ein Mädchen fragt, warum Mädchen mit pinken Puppen und Knaben mit »Superheroes« spielen:

Und dann die zentrale Frage, wie viele Männer eine Frau lieben kann in ihrem Leben – im physischen Sinne.

Das Video ist ein Ausschnitt aus Jean-Luc Godards Meisterwerk A bout de souffle. Der Autor Monsieur Parvulesco (Jean-Pierre Melville) beantwortet die Frage zuerst, dann sprechen Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo) und Patricia Franchini (Jean Seberg) darüber. Hier noch ein Interview mit Parvulesco, ebenfalls aus demselben Film:

Dezember 26, 2011 / Philippe Wampfler

Frau Freitag fragen.

Karin Freitag, die sich selbst »Kafi Freitag« nennt, führt seit diesem Monat ein wunderbar gestaltetes Fragenblog: Frag Frau Freitag. Sie beschreibt es wie folgt:

Dieser Blog gibt Antworten auf Fragen des Alltags.

Sie haben Ärger mit ihrem Vorgesetzten? Fragen Sie Frau Freitag. Sie wissen nicht, was Sie ihrer/ihrem Liebsten zum Valentinstag schenken sollen? Fragen Sie Frau Freitag. Sie sind neu auf Facebook und fragen sich nun, ob sie jeden ihrer 502 Freunde persönlich kennenlernen sollten? Fragen Sie Frau Freitag. Sie möchten eine Lösung für den Partner, der Sie in geselliger Runde niemandem vorstellt? Fragen Sie Frau Freitag. Ihr Bürofarn hat braune Blattränder und wirkt insgesamt wenig enthusiastisch? Fragen Sie Frau Freitag. Sie haben vergessen, wie man Socken strickt? Fragen Sie Frau Freitag. Sie haben eine Schwiegermutter, die Ihnen das Leben zur Hölle macht, möchten aber noch etwas länger mit ihrem Ehemann zusammenbleiben? Fragen Sie Frau Freitag.

Aufgrund der ersten Blogpost hatte ich den Eindruck, Frau Freitag scheine sich auch an einer Konstruktion eines Stilbegriffs zu beteiligen, der nicht nur apolitisch ist, sondern davon ausgeht, alle Menschen könnten in schicken urbanen Wohnungen leben und hätten genug Freizeit und Geld, um ihr Leben ihren Wünschen und Stilvorstellungen gemäß zu gestalten. (Und sollten ihre Zeit und Energie auch so einsetzen…) Neben dem Tages-Anzeiger Magazin (z.B. Birgit Schmid) arbeitet auch Jeroen van Rojien im NZZ-Stil-Blog an dieser Konstruktion mit.

Mittlerweile habe ich Frau Freitag auch nach ihrem Verhältnis zur Politik befragt und eine schlaue Antwort erhalten. 

Es lohnt sich also, Frau Freitag zu fragen!

November 24, 2011 / Philippe Wampfler

Parzivals Erziehung. Die richtige Frage im richtigen Moment stellen.

S 182r aus der Heidelberger Parizval Handschrift

Im dritten Buch des Parzivals von Wolfram von Eschenbach wird Parzivals Erziehung beschrieben. In der Hoffenung, ihren Sohn vom Leben als Ritter abhalten zu können, hat ihn seine Mutter schlecht unterwiesen und als Narr gekleidet in die Welt entlassen. Nach einigen eher negativen Erfahrungen trifft er Gurnemanz von Graharz, der ihn als Erzieher Rittertugenden lehrt. Unter anderem sagt er ihm:

ich bin wol innen worden
daz ir râtes dürftic sît:
nu lât der unvuoge ir strît.
irn sult niht vil gevrâgen:
ouch sol iuch niht betrâge
bedâhter gegenrede, diu gê
rehte als jenes vrâgen stê,
der iuch wil mit worten spehen.
ir kunnet hœren unde sehen,
entseben unde dræhen:
daz solte iuch witzen næhen.

Ich habe gemerkt,
dass Ihr Rat braucht.
Seid nicht mehr so ungehobelt!
Ihr sollt nicht viele Fragen stellen!
Gewöhnt Euch an zu überlegen,
was Ihr zur Antwort geben wollt;
sie soll auf die Frage dessen eingehen,
der etwas von Euch hören will.
Ihr könnt doch hören, sehen,
schmecken, riechen:
All dies bringe Euch so langsam zu Verstand!

Parzival soll also als Ritter keine Fragen stellen. Dieser Rat wird ihm zunächst zum Verhängnis: Auf der Gralsburg wartet der König Anfortas darauf, dass Parzival ihm eine Frage nach seinem Befinden stellt, Parzival hält sich aber an den Ratschlag von Gurnemanz. So zeigt er, dass er die Regeln der ritterlichen Tugend höher wertet als Mitleid – und wird vom Hof verstossen, anstatt König zu werden. Parzival ist sich keiner Schuld bewusst, er verflucht Gott, der ihm nicht geholfen habe. Erst der weise Einsiedler Trevrizent erklärt ihm die richtige Haltung Gott und dem Gral gegenüber:

ir jeht, ir sent iuch umbe den grâl:
ir tumber man, daz muoz ich clagen.
jane mac den grâl nieman bejagen,
wan der ze himel ist sô bekannt
daz er zem grâle sî benant.

Oh Unverstand! Ihr tut mir leid!
Ihr sagt, Ihr sehnt Euch nach dem Gral.
Denn niemand kann den Gral erreichen,
den nicht der Himmel ausersieht,
und daraufhin zum Gral beruft. 

Parzival lernt schließlich, dass er Anfortas aus Mitleid die richtige Frage stellen muss – und tut das schließlich, worauf er Gralskönig werden kann:

alweinde Parzivâl dô sprach
«saget mir wâ der grâl hie lige.
op diu gotes güete an mir gesige,
des wirt wol innen disiu schar.»
sîn venje er viel des endes dar
drîstunt zêrn der Trinitât:
er warp daz müese werden rât
des trûrgen mannes herzesêr.
er riht sich ûf und sprach dô mêr
«œheim, waz wirret dier?»

Schluchzend sagte Parzival:
»Sagt mir, wo der Gral hier liegt.
Wenn Gottes Liebe an mir siegt,
so wird die das Gemeinschaft spüren!«
Er kniete in der Richtung des Grals hin
dreimal, der Trinität zu Ehren,
und erflehte die Befreiung
des armen Mannes von seinem seelischen Leid.
Er richtete sich auf und fragte:
»Oheim, sag, was quält dich so?«

Parzivals Parallelfigur, Gawan, stellt in seinem Abenteuer eine Frage zu viel – was dazu führt, dass ihm die wichtige Antwort verweigert wird, weil er seine Absichten durchscheinen lässt.

Man kann das Epos aus dem 13. Jahrhundert so verstehen, dass es eine entscheidende menschliche Fähigkeit ist, die richtige Frage im richtigen Moment zu stellen. Im Altgriechischen gibt es den Begriff kairos dafür – der richtige Moment, der nicht verstreichen darf.

* * *

Zu diesem Post wurde ich – nomen est omen – vom Inspirationsblog inspiriert. Dort wird das Buch Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs von M. und F. Hartkemeyer/L. Freeman Dhorit zitiert:

Wir könnten uns viel Frust und manchmal auch viel Leid ersparen, wenn wir uns öfters trauen würden, echte Fragen zu stellen und «von Herzen zu sprechen». Leider hindert uns unsere gute Erziehung daran.

Oktober 21, 2011 / Philippe Wampfler

»Freilich hab ich nur meine Fragen.« Brechts Fragen-Sonett.

Johannes R. Becher hat die strenge Form des Sonetts 1937 als »Sinnbild einer Ordnungsmacht, Rettung vor dem Chaos« bezeichnet.

Fragen

Schreib mir, was du anhast! Ist es warm?
Schreib mir, wie du liegst! Liegst du auch weich?
Schreib mir, wie du aussiehst! Ist’s noch gleich?
Schreib mir, was dir fehlt! Ist es mein Arm?

Schreib mir, wie’s dir geht! Verschont man dich?
Schreib mir, was sie treiben! Reicht dein Mut?
Schreib mir, was du tust! Ist es auch gut?
Schreib mir, woran denkst du? Bin es ich?

Freilich hab ich dir nur meine Fragen!
Und die Antwort hör ich, wie sie fällt!
Wenn du müd bist, kann ich dir nichts tragen.

Hungerst du, hab ich dir nichts zum Essen.
Und so bin ich grad wie aus der Welt
Nicht mehr da, als hätt ich dich vergessen.

Bertolt Brecht, 1934

Die Adressatin des Gedichts war – wenn man es in einen biographischen Rahmen stellt – wohl Margarete Steffin. Simran Karir schreibt in ihrer Masterarbeit über die Liebeslyrik Brechts darüber (pdf, S. 118f.):

Insofem sind die Fragen des “Ich” authentische Fragen, auf die nur sie antworten kann. Die Antworten sind solche, die er für sich zwar ersehnt und braucht, keineswegs aber selber schon weiß. Sein Text ist ohne sie radikal unvollstandig, nur sie jedoch vermag ihn zu vervollstandigen. Gleichzeitig entwerfen die Fragen eine Skizze, einen Umriß von Steffin, die verlangen, von der Adressatin selber ausgefüllt zu werden. Ihr Geliebter skizziert sie bis zu einem gewissen Punkt, nur sie aber kann den Entwurf zuende fiihren und mit Leben ausfüllen. Der schattenhafte Umriß dieses Individuums wird durch die unbeantworteten Fragen geschaffen, da dieses Individuum erstmals konkret fehlt, also räumlich wo anders ist, und zweitens nie ganz von jemand anderem – am allerwenigsten dem Liebenden – erschöpfend definiert werden kann. Es bleibt ein Mysterium.
Steffin wird in die sem Sonett also als eine Person dargestellt, die der Liebende intim genug kennt, um bestimmte Bereiche ihres Lebens anzusprechen und Antworten zu ahnen, der am Ende aber ihr die Definition ihrer Person sowie ihrer Bedürfnisse überlassen muss.

Das Gedicht wurde von der Berliner Soulsängerin Joy Denalane als Songtext verwendet, der Song heißt: Fragen (Brief aus Lesotho). Hier ein Auszug:

 

Oktober 12, 2011 / Philippe Wampfler

Ein Interview ohne Antworten. Bankenkrise.

Baudoin Prot, der Chef der größten französischen Bank BNP Paribas, hat dem Handelsblatt zuerst ein Interview gegeben – und dann doch nicht. Das Handelsblatt hat es dennoch publiziert, einfach ohne Antworten. Hier auch als pdf

 

Oktober 3, 2011 / Philippe Wampfler

Autorität infrage stellen

Mimi und Eunice. Gefunden bei Martin Steiger.

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